Seinsmodus vs. Tun-Modus
3 Unterschiede zwischen Entspannung & Achtsamkeit
09/02/2018

Wie wird meine
Meditationspraxis
regelmäßig?

"It's simple -
but not easy"


Das wahrscheinlich schwierigste am Meditieren ist es,... es zu tun. Selbst wenn Meditation uns "gut tut", tun sich die meisten Menschen schwer damit, eine regelmäßige Praxis aufzubauen und aufrecht zu erhalten. Der berühmte "innere Schweinehund" schlägt wieder zu. Oder eine Unzahl an Pflichten bzw. Freizeitangeboten konkurriert mit dem Meditieren. Was tun? Wie kann man die eigene Praxis festigen? Wie motiviert man sich?

5 Strategien für
regelmäßigeres Meditieren

Strategie 1. Verbinden Sie die Praxis mit etwas, was für Sie lebenswichtig ist.


Es ist doch so: wenn Meditation nichts mit dem zu tun hat, was Ihnen wirklich wichtig ist, warum sollten Sie dann täglich Zeit darauf verwenden? Aus reinem Pflichtgefühl? Das kann ja gar nicht lange gut gehen. Finden Sie lieber heraus, mit welchen Werten oder "edlen Bestrebungen" in ihrem Leben Meditation zu tun haben könnte. Und damit sind nicht kurzfristige Gelüste & Bedürfnisbefriedigungen gemeint, sondern eher tiefere, oder wahrhaftigere Dimensionen des Wohlergehens. Ist es die Sehnsucht nach Verbundenheit mit der Welt? Ist es ein Wunsch nach Integrität? Ist es der Wunsch, ohne Angst leben zu können? Wenn Sie sich Ihrer wahren Bestrebungen bewusst geworden sind, können Sie sich diese in Erinnerung rufen, wenn Sie wieder mal mit dem Üben hadern.


Strategie 2. Etablieren Sie eine Routine.


Während die obige Strategie versucht, sich der Beweggründe beim Meditieren klarer zu werden, versucht Strategie 2 eher, eine Entscheidung für oder gegen Meditieren weitgehend zu vermeiden. Nämlich indem sie nur einmal gefällt wird und dann einfach gilt. z.B.: "Um sieben Uhr morgens ist eben immer 30 Minuten Meditationszeit angesagt. Basta!" Ist es nicht herrlich befreiend, sich nicht mehr entscheiden, nicht mehr kämpfen zu müssen? Stellen Sie sich mal vor, dass Sie gar keinen inneren Entscheidungskampf mehr führen müssen! Das ist die Kraft der Routine. Suchen Sie sich eine Zeit und auch am Besten eine ganz bestimmte Technik aus, damit Sie nicht viel nachdenken müssen, wenn es soweit ist - und tun Sie es dann einfach. Jeden Morgen, oder jeden Abend oder wie auch immer Ihre Routine ist. Und zwar solange, bis es kein Problem mehr für Sie darstellt, es zu tun.


Strategie 3. Finden Sie eine für Sie gut durchführbare Praxis, die Ihnen liegt.


Folgen Sie nicht zwingend dem Beispiel oder den Ratschlägen anderer. Es gibt nicht die EINE richtige Art, zu praktizieren! Eine regelmäßige 15-minütige Praxis ist besser als eine 40-minütige unregelmäßige Praxis. Wenn Ihnen die MBSR-Anleitungen nicht liegen, suchen Sie sich andere, notfalls kürzere; oder meditieren ohne Anleitung. Und zwar auf die Art, die bei Ihnen am Besten klappt. Wenn Ihnen das Offene Gewahrsein ohne festes Meditationsobjekt liegt und die Konzentration auf den Atem überhaupt nicht, dann folgen Sie erstmal dieser Präferenz. Vielleicht haben Sie einmal die Bergmeditation gemacht und es war voll Ihr Ding, dann besorgen Sie sich im Internet eine Audioanleitung dazu und üben Sie! Wenn Sie immer in Hotels sind, ist evtl. ein Bodyscan auf dem Bett oder dem Boden das Richtige für Sie. Finden Sie auch den für Sie machbaren Rhythmus. Vielleicht planen Sie "6 Mal die Woche" ein und haben dann die Flexibilität, ein verpasstes Mal "nachzuholen". Wichtig ist, dass Sie vor allem am Anfang eine Form der Regelmäßigkeit, Praktikabilität & Präferenz finden, die für Sie in Ihrem Alltag funktioniert. Sie können später immer noch länger oder vielseitiger oder auch "klassischer" meditieren - was auch immer das sein soll. Das wird sich dann zeigen. Passen Sie die Praxis Ihrem Leben an. Nach einiger Zeit werden Sie dann vielleicht feststellen, das die Zeit gekommen ist, es anders herum zu machen: nämlich Ihr Leben der Praxis anzupassen.


Strategie 4. Suchen Sie Anschluss ...und Inspiration.


Sie müssen es nicht alleine tun! Es gibt Millionen von Menschen da draußen, die auch meditieren. Manche von ihnen sind sogar fortgeschritten und inspirierend. Manche haben Bücher geschrieben oder bieten Kurse an. Es gibt Dutzende von Podcasts zu Achtsamkeit & Meditation. Es gibt an den meisten Orten Meditationsgruppen, denen Sie sich anschließen können. Wenn es keine gibt, gründen Sie eine. Bietet Ihr MBSR-Lehrer Fortsetzungskurse an? Gibt es vielleicht ein Buddhistisches Meditationszentrum in der Nähe? In Ihrer Kirchengemeinde? Oder in einem Yoga Studio um die Ecke? Können Sie vielleicht statt eines Urlaubs am Meer, mal auf ein mehrtägiges Meditationsretreat fahren? Anschluss hilft. Gruppen und Lehrer disziplinieren, bieten einen Rahmen. Und inspirieren. Am Besten sind Orte, wo man regelmäßig hin kann. Ein Mal die Woche zum Beispiel...


Strategie 5: Und wenn das alles nicht klappt? Machen Sie Ihr Hadern zum Teil der Praxis!


Schwierigkeiten mit regelmäßigem Meditieren sind normal. Jeder hat sie. Sparen Sie sich daher die Schuld- und Unzulänglichkeitsgefühle! Statt dessen richten Sie ihre nicht-wertende Aufmerksamkeit auf das Dickicht, das dem Meditieren im Wege steht. Was fühlen Sie? Was geht Ihnen durch den Kopf? Was ist im Körper los? Was passiert, wenn Sie mit dem Gefühl des Haderns und Nicht-Wollens trotzdem meditieren? Was passiert, wenn Sie es sausen lassen? Spannend! Indem Sie das Nicht-Praktizieren zum Teil der Praxis machen überlisten Sie vielleicht das ganze System von Widerständen. Und selbst wenn nicht - Sie lernen bestimmt etwas dabei und haben dann zumindest informelle Achtsamkeitspraxis betrieben.


Und egal, wie Sie es machen - bleiben Sie geduldig und nachsichtig. Praktizieren heißt im Englischen "to practice"; und das heißt "üben" und nicht etwa "perfekt sein" oder "es beherrschen".
Die größte Herausforderung beim Meditieren ist: Es zu tun. Am Besten regelmäßig. Doch wie übt man regelmäßig und überwindet „den inneren Schweinehund“? Hier sind Strategien beschrieben, die sich bewährt haben.